Kurie

Die Gesamtheit der Dikasterien (Behörden) und Einrichtungen, die dem Papst bei der Ausübung seines obersten Hirtenamtes behilflich sind, wird als Römische Kurie bezeichnet. Die Römische Kurie nimmt die ihr übertragenen Aufgaben im Namen des Papstes und in seiner Autorität wahr (c. 360 CIC).

Platz mit hellen Marmorsäulen, den Kolonaden, dahinter der prachtvolle Apostolische Palast, Sitz der Päpste Vatikan-Petersplatz_IMG_2830.jpg
© DBK/Kopp
Petersplatz mit Blick auf den Apostolischen Palast in der Mitte.

Die Römische Kurie wurde zuletzt unter Papst Johannes Paul II. grundlegend reformiert. In der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus vom 28. Juni 1988 hat er ihre Struktur und Zuständigkeiten geregelt.
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Bereits kurz nach Pontifikatsbeginn hat Papst Franziskus eine umfangreiche Kurienreform angekündigt. Dazu hat er ein Beratungsgremium mit neun Kardinälen ins Leben gerufen. Nach und nach wird diese Kurienreform umgesetzt, Räte aufgelöst und neue Dikasterien werden gegründet.

Staatssekretariat

Das Staatssekretariat ist die wichtigste Behörde der Römischen Kurie und arbeitet dem Papst direkt zu. Mit Blick auf seine umfassenden Kompetenzen kann es als die zentrale Oberbehörde bezeichnet werden.

Das Staatssekretariat gliedert sich in drei Bereiche:

  • Die „Sektion für die Allgemeinen Angelegenheiten“ ist dem Papst bei Fragen seines täglichen Dienstes behilflich.
  • Die „Sektion für die Beziehungen mit den Staaten“ sorgt sich um die Angelegenheiten, die mit den Regierungen verhandelt werden müssen.
  • Die „Sektion für den Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls“ ist für die Apostolischen Nuntiaturen zuständig und wurde von Papst Franziskus im Rahmen der Kurienreform am 21. November 2017 umgesetzt.

Kongregationen

Seit dem 12. Jahrhundert wurden alle wichtigeren Angelegenheiten im Konsistorium, der Vollversammlung der in Rom anwesenden Kardinäle unter Vorsitz des Papstes, beraten und entschieden. Mitte des 16. Jahrhunderts kam es zum Auf- und Ausbau der Kongregationen, mit deren Hilfe die wachsenden Aufgaben arbeitsteilig gelöst werden sollten. In den folgenden Jahrhunderten änderten sich Anzahl und Zuständigkeitsbereiche der Kongregationen immer wieder. Die heutige Form geht auf Papst Paul VI. (1963–1978) zurück, der in seiner Apostolischen Konstitution Regimini Ecclesiae universae vom 15. August 1967 die Zahl der Kongregationen auf neun festsetzte.
Mitglieder der Kongregationen, deren Zuständigkeitsbereich sich grundsätzlich auf die ganze Kirche bezieht (sofern er nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt ist, z. B. Ostkirchen, Lateinische Kirche, bestimmte Gebiete), sind Kardinäle und Bischöfe.

Jede Kongregation wird von einem Kardinalpräfekten geleitet. Ihm steht ein Sekretär im Rang eines Erzbischofs zur Seite. Der Präfekt, der Sekretär sowie der Untersekretär werden vom Papst für fünf Jahre ernannt. Er ernennt auch die Mitglieder. Die Mitgliedschaft erlischt mit Eintritt der Sedisvakanz oder bei Kardinälen mit Vollendung des 80. Lebensjahres und bei (Erz-)Bischöfen mit Vollendung des 75. Lebensjahres. Jeder Kongregation steht ein Beraterkreis zur Verfügung (Kanonisten, Theologen, Fachleute).

Zurzeit gibt es folgende Kongregationen:

  • Kongregation für die Glaubenslehre (ihr zugeordnet sind die Internationale Theologenkommission, die Päpstliche Bibelkommission und die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“)
  • Kongregation für die Orientalischen Kirchen
  • Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
  • Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse
  • Kongregation für die Bischöfe (angeschlossen ist die Päpstliche Kommission für Lateinamerika)
  • Kongregation für die Evangelisierung der Völker (angeschlossen ist das Komitee für die Päpstlichen Missionswerke)
  • Kongregation für den Klerus
  • Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens
  • Kongregation für das Katholische Bildungswesen

Dikasterien

In der Kurienreform unter Papst Franziskus wurden drei neue Dikasterien gegründet, die mehrere ehemalige Päpstliche Räte zusammenfassen.

  • Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben
  • Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen
  • Dikasterium für die Kommunikation.

Sekretariat für die wirtschaftlichen Angelegenheiten

Papst Franziskus hat eine Art Finanzministerium für den Vatikan eingeführt: Sekretariat für die wirtschaftlichen Angelegenheiten.

Als zentrale Aufsichtsbehörde soll das sogenannte Wirtschaftssekretariat alle wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten des Vatikanstaates und des Heiligen Stuhls überwachen.

Päpstliche Räte

Die Päpstlichen Räte sind im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils eingerichtet worden. Sie sind vor allem Organe des Kontakts, Dialogs und Studiums. Es gibt heute fünf Päpstliche Räte:

  • Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen (ihm zugeordnet ist die Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum)
  • Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten
  • Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog (ihm zugeordnet ist die Kommission für die Beziehungen mit dem Islam)
  • Päpstlicher Rat für die Kultur
  • Päpstlicher Rat für die Förderung der Neuevangelisierung

Kommissionen / Komitees

Für bestimmte Aufgaben gibt es besondere Kommissionen und Komitees (Auswahl):

  • Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche
  • Päpstliche Kommission für Christliche Archäologie
  • Päpstliche Bibelkommission
  • Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“
  • Internationale Theologenkommission
  • Päpstliches Komitee für die Internationalen Eucharistischen Kongresse
  • Päpstliches Komitee der Geschichtswissenschaften

Gerichtshöfe

Zur Römischen Kurie gehören drei Gerichtshöfe:

  • Apostolische Pönitentiarie (Gewährung von Gnadenerweisen sowie Gewährung und Gebrauch von Ablässen)
  • Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur (höchster Gerichtshof der Kirche und zugleich oberste Gerichtsverwaltungsbehörde)
  • Römische Rota (ordentliches Gericht des Apostolischen Stuhls, wird vornehmlich als Berufungsgericht tätig)

Besondere Einrichtungen

Innerhalb der Römischen Kurie gibt es reine Verwaltungsbehörden mit einer ihren Aufgaben entsprechenden Organisationsstruktur (Auswahl):

  • die Apostolische Kammer
  • die Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls
  • die Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls
  • die Präfektur des Päpstlichen Hauses
  • das Amt für die liturgischen Feiern des Papstes
  • das Zentralamt für kirchliche Statistik
  • der Päpstliche Wohltätigkeitsdienst
  • das Institut für religiöse Werke (Vatikanbank IOR)

Außerdem sind folgende Einrichtungen dem Apostolischen Stuhl angegliedert, zugeordnet oder verbunden:

  • das Vatikanische Geheimarchiv
  • die Apostolische Bibliothek
  • die Päpstlichen Akademien
  • die Dombauhütte von St. Peter

Weitere Informationen zur Römischen Kurie auf der Internetseite des Vatikans.