Länderthema

Mit der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, wollen die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen.

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© DBK/Andy Spyra
Nigeria, Yola: Die Christin Saratu Zakariya war als Geisel in der Hand der Boko Haram. Ihr Mann wurde erschossen. Nach sieben Monaten gelang ihr die Flucht nach Kamerun.

Jedes Jahr gibt es ein wechselndes Schwerpunktland, das der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), in einer Dialog- oder Solidaritätsreise besucht. Zudem erscheint zu diesem Land eine Informationsbroschüre in der Reihe „Arbeitshilfen“ der Deutschen Bischofskonferenz.

Zuletzt ist Erzbischof Dr. Ludwig Schick vom 17. bis 23. April 2017 zu einem Solidaritätsbesuch nach Nigeria gereist. Besonders in Zentralnigeria und im Nordosten des Landes leiden die Menschen massiv unter Konflikten zwischen Christen und Muslimen und unter dem islamistischen Terror von Boko Haram.  

Informationsbroschüre

Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit: Nigeria. Eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz. Arbeitshilfen Nr. 295 (Bonn 2017)
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In Lagos, Jos und der Hauptstadt Abuja besuchte Erzbischof Schick im April 2017 die katholischen Bischöfe und eine Reihe von Pfarreien und kirchlichen Organisationen. Daneben führte Erzbischof Schick Gespräche mit Vertretern der Politik, Repräsentanten des Islam und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Nach seiner Rückkehr zog er eine positive Bilanz und betonte: „In Zentralnigeria, wo es immer wieder zu Gewalt zwischen Christen und Muslimen und verschiedenen Ethnien kommt, wird deutlich, dass ein friedliches Zusammenleben auf Dauer nur möglich ist, wenn sich die verschiedenen Gruppen gegenseitig besser kennenlernen und Vertrauen zueinander aufbauen.“ Erzbischof Schick zeigte sich besonders von den verschiedenen Friedensinitiativen in der Erzdiözese Jos beeindruckt und sprach sich für eine weitere Intensivierung des christlich-islamischen Dialogs aus.

Während der Süden des Landes hauptsächlich von Angehörigen christlicher Konfessionen geprägt ist, stellen im Norden Muslime die Mehrheit. Dort und in der Mitte des Landes, in der Middle Belt-Region, kommt es immer wieder zu blutigen Zusammenstößen. Die Konflikte haben vielerorts neben dem religiösen einen ethnischen und ökonomischen Hintergrund. Häufig ist die Beziehung zwischen muslimischen, viehzüchtenden Nomadenvölkern und christlichen Volksgruppen, die sesshaft als Bauern leben, angespannt. Darüber hinaus tragen terroristische Angriffe der islamistischen Organisation Boko Haram auf Kirchen, Moscheen und andere öffentliche Einrichtungen seit Jahren zur Destabilisierung der Region bei und haben bisher mehr als 20.000 Tote gefordert. Unzählige Nigerianer sind als Binnenvertriebene auf der Flucht.

Das Erzbistum Jos stand im Mittelpunkt des Besuchsprogramms. Seit 2008 ist es in der Stadt immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen gekommen. Häufig wurden auch Kirchen Ziele von Anschlägen. Mit beachtlichem Erfolg bemüht sich der Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, seit Jahren darum, die Situation zu entschärfen. Erzbischof Schick traf bei seiner Reise auch mit den Emiren von Wase und Kanam zusammen, die als religiöse muslimische Autoritäten und zugleich als traditionelle Führer gemeinsam mit Erzbischof Kaigama um interreligiösen Dialog sowie um Friedensarbeit in der Region bemüht sind. 

Erzbischof Schick zeigte sich beim Besuch des neu gegründeten Friedenszentrums der Erzdiözese Jos und in der Begegnung mit der diözesanen Kommission Justitia et Pax von der konkreten und professionellen Mediations- und Friedensarbeit des Erzbistums beeindruckt. „Angesichts von nicht enden wollender Gewalt, von Leid und Not in Teilen Nigerias ist es leicht, abzustumpfen oder gar in Zynismus zu verfallen. Die Kirche geht einen anderen Weg: Immer neu entzündet sie das Feuer der Hoffnung“, unterstrich der Erzbischof. Diese Einschätzung teilte auch der Gouverneur des Bundesstaates „Plateau State“, Simon Lalong, der die Bedeutung der katholischen Kirche für den Frieden hervorhob: „In den vergangenen Jahren war die Situation zwischen Christen und Muslimen angespannt, seit zwei Jahren ist es deutlich besser geworden. Die katholische Kirche hat viel getan, um den Frieden in Plateau State wieder herzustellen.“ 

Auf seiner Reise informierte sich Erzbischof Schick persönlich über die Situation der Christen in den mittleren und nördlichen Teilen des Landes. „Mir ist es wichtig, selber vor Ort ein Bild zu machen und unsere Solidarität mit der von gewaltsamen Konflikten gebeutelten Ortskirche zu zeigen.“

Opfer der Terrororganisation Boko Haram traf Erzbischof Schick in einem der Flüchtlingslager von Jos: „Die vielen Menschen, die seit mehreren Jahren ohne dauerhafte Perspektive in Lagern leben müssen, machen auf erschreckende Weise das Versagen großer Teile der nigerianischen Elite und der Politik deutlich. Es ist die Kirche, die manches Mal auf sich gestellt und manches Mal im Verbund mit den moderaten muslimischen Kräften um wirksame Hilfe bemüht ist“, so Erzbischof Schick.

In Lagos tauschte sich Erzbischof Schick mit dem dortigen Erzbischof, Alfred Martins, über die pastoralen Herausforderungen der Kirche in einer der größten Metropolen der Welt aus. In der Hauptstadt Abuja kam es neben einer Begegnung mit dem Deutschen Botschafter, Dr. Bernhard Schlagheck, und Vertretern der deutschen politischen Stiftungen zu einem Gedankenaustausch mit dem Erzbischof von Abuja, Kardinal John Onaiyekan.